9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.10.2026. Ein Linksbündnis in Berlin rückt näher, das Problem mit dem Antisemitismus will man durch bürokratische Prozeduren neutralisieren - aber es bleiben viele skeptische Stimmen. Wenn die Linken nun regieren, werden sie feststellen, dass sie die Mieten nicht senken können, sagt der Neuköllner Bürger Martin Hikel im Tagesspiegel. Die Welt erzählt unterdessen, wie in Britannien die Green Party gleich zum Zentralhub für linken Antisemitismus umgepolt wurde. Die FAZ bespricht eine Rudolf-Augstein-Biografie, in der sich herausstellt, dass der Spiegel-Gründer noch mehr alte Nazis beschäftigte als bisher bekannt.
08.10.2026. Wo steht die CDU, will die taz nach der Wahl des AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen Anhalt wissen: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Autoritären? Wo stehen SPD und die Grünen, fragt die FAZ: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Antisemiten und Demokratieverächter? In der NZZ fürchtet Monika Maron, Berlin könne zum Fanal für Köln, Dortmund oder Gelsenkirchen werden. Die Jüdische Allgemeine kann es immer noch nicht fassen, wie ein Angriff auf Juden den Antisemitismus entfesseln konnte. Daran ist Israel schuld, meint Pankaj Mishra in der SZ.
07.10.2026. Heute vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen mehr als 1.200 Israelis. Der Krieg kostete auch tausende Palästinenser ihr Leben. Dennoch ist eine Zweistaatenlösung möglich, beschwört in der taz Hamza Howidy die westlichen Staaten, die sie stärker unterstützen sollen. Wenn Ruanda es geschafft hat, dann schaffen es auch Israelis und Palästinenser, ermuntern Aziz Abu und Maoz Inon in der SZ. In der FR beklagt Carolin Emcke fehlende Solidarität mit den Palästinensern. Außerdem: Wladimir Putin hat heute Geburtstag. Die NZZ erinnert an ein Geburtstagsgeschenk vor 20 Jahren, als ihm die Leiche seiner Kritikerin Anna Politkowskaja präsentiert wurde.
06.10.2026. Die taz stellt jeden einzelnen AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt vor - es ist wahrlich ein finstres Häuflein. In der FAZ polemisiert Jürgen Kaube gegen Ronen Steinke: Nein, die "Rote Hilfe" ist kein harmloser Rechtshilfeverein. Ebendort denkt Souad Mekhennet über den 7. Oktober nach. In der FR erklärt der designierte Friedenspreisträger Philippe Sands, warum er sich nicht zum Völkermord-Vorwurf gegen Israel äußern wird.
05.10.2026. Die taz besucht Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt - dort wartet man bang auf die kommende AfD-Regierung. Wolf Biermann in Zeit online und Klaus Lederer in progressive-linke.de setzen sich mit dem Versagen der Linken vor der eigenen Geschichte auseinander. taz und Guardian erzählen, wie Linkspartei und Green Party unter Einfluss gerieten. In Zeit online bekennt Anne Rabe ihr Entsetzen vor dem Kabarettisten Uwe Steimle. In der Welt erinnert der kurdische Historiker Hamit Bozarslan daran, dass Revolutionen nicht immer links sind.
02.10.2026. Nicht nur ist morgen Nationalfeiertag und darum frei - nächste Woche beginnt auch noch die Buchmesse. Die Zeitungen platzen förmlich und bringen Freitagsausgabe, Samstagsausgabe und Buchmessenbeilagen auf einmal. Jetzt müssen wir nur noch die Krise des Lesens bewältigen, so die SZ. Für die FAZ hat Stephan Malinoski jedenfalls schon Mal 3.000 Seiten Hannah Arendt über Totalitarismus bewältigt. Und das Leben geht weiter: In der SZ erzählt Lea Streisand, wie sie von links und rechts bedroht wird. Und in NZZ und Zeit warnen Giuliano da Empoli und Timnit Gebru vor den Tech Bros und ihrer KI.
01.10.2026. Die Islamdebatte steckt in einer Sackgasse, meint in der Zeit Saba-Nur Cheema, progressive Muslime werden im Stich gelassen. Ebenfalls in der Zeit wirft der israelische Journalist Shlomi Eldar Benjamin Netanjahu vor, alle Warnungen vor einem Attentat der Hamas ignoriert und alle Friedensbemühungen, die die Geiseln gerettet hätten, torpediert zu haben. Wenn die Deutschen über Russland sprechen, sprechen sie fast immer über sich selbst, meint im Interview mit der FAZ die Politikwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse. Und: Es wird munter weiter über die Linke in Berlin debattiert.
30.09.2026. Persönliche Begegnungen gibts beim Arzt bald nur noch für die Wohlhabenden, allen anderen antwortet eine KI, warnt die amerikanische Historikerin Jill Lepore bei Zeit online. In der SZ fragt der ukrainische Autor Sergey Maidukov Richtung Donald Trump, worüber genau die Ukraine verhandeln soll. Der britisch-israelische Autor Ithamar Handelman Smith schildert in der NZZ das besondere Verhältnis Irlands zum Nahostkonflikt. Und die FAZ fragt sich, wie genau Francesca Albanese das Wörtchen Antisemitismus so missverstehen konnte.
29.09.2026. Die SZ staunt über Wolfram Weimers Pläne für einen Erinnerungsort zum Kolonialismus - warum in Bremen? Die FAZ stellt eine bizarre, aber einflussreiche Szene von Rechtsextremen in Italien vor, Intellektuelle, die zum schiitischen Islam übergetreten sind - dazu gehört der Chef der Biennale von Venedig. Kaum hat Wolfgang Benz durch ein Tagesspiegel-Interview Empörung ausgelöst, gibt die FR ihm Gelegenheit, sich zu wiederholen. Im Tagesspiegel antwortet unterdessen Michael Wolffsohn. Die taz warnt vor einem neuen Krieg in Äthiopien.
28.09.2026. In Berlin sind jetzt Koalitionsgespräche für ein Linksbündnis angesagt - die Antisemitismusvorwürfe gegen die Linkspartei bleiben aber bestehen, konstatieren mehrere Medien. Da nützt auch der Persilschein nicht, den der Historiker Wolfgang Benz der Partei ausgestellt hat und den Jüdische Allgemeine und FAZ mit Sarkasmus aufnehmen. In Zeit online skizziert Cordt Schnibben, wie sich der Journalismus vor KI retten kann. In der NZZ liefert Elham Manea Hintergründe über die Huthis.