Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.09.2026 - Design

"Im Mobilitätssektor spürt man keinen Mut mehr", zürnt der Designer Paolo Tumminelli im taz-Gespräch mit Matthias Penzel: Während man in Fernost in Sachen Mobilität nach den Sternen greife, reiche es in Europa allenfalls noch zu technologisch aufgehübschten Varianten längst etablierter Standards. "Wir haben eine intensive gesellschaftliche Diskussion zu der Freiheit, sich überhaupt noch privat individuell zu bewegen. Und die gestalterische Antwort ist Aggressivität." Etwa darin, dass heutige Autos dazu neigen, das Geschehen in der Fahrkabine durch Abdunklungen, Verspiegelungen und ungünstige Scheiben-Verhältnisse vom äußeren Geschehen abzukapseln: "Als Fußgänger oder Radfahrer kannst du unmöglich erkennen, ob der Autofahrer dir zunickt oder woandershin schaut. Im Grunde verschwindet man im Auto. Ist nicht mehr Teil des Bildes. ... Du siehst die Menschen nicht, die sehen dich nicht. Ich bin zwei Meter groß, aber wenn ich als Fußgänger eine Straße überquere, habe ich eine Wand aus Bullis und SUVs vor mir. Früher waren auch nicht alle Autos schön, aber sie haben uns weniger Platz weggenommen - und man konnte hindurchsehen."

Stichwörter: Autodesign, Suvs, Automobilität, Autos

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.09.2026 - Design

Litauen ist mittlerweile ein Paradies für Design-Liebhaber, schreibt Katharina Pfannkuch (FAS), die durch die Modeszene der litauischen Hauptstadt wandelt und bei "Undress" von Ana Sayicka stehenbleibt. "Ein Blazerkleid mit gewelltem Ausschnitt, ein dunkelgrün schimmerndes Kleid mit tiefem Rückenausschnitt, über den sich glitzernde Bänder ziehen, ein Midikleid mit funkelnden Fransen, die jede Bewegung wie einen Tanz aussehen lassen: 'Jedes Undress-Kleid ist wie ein Flirt', sagt Ana Savicka über ihre Designs. 2015 gründete sie Undress, eine Marke für Kleider für den Tag, vor allem aber für den Abend. (...) Auch wenn die Stoffe aus aller Welt stammten, sei Undress ganz klar eine litauische Marke. 'Wir fertigen alles vor Ort, mit unseren Händen, unserem Know-how und unseren lokalen Herstellern', sagt Savicka. 'Es ist phantastisch, wenn zum Beispiel Menschen in Australien auf uns aufmerksam werden - und dadurch vielleicht auch noch lernen, wo unser Land eigentlich liegt.'"

Außerdem: In der NZZ freut sich Caroline von Loewenich über eine Schenkung von rund 750 Stoffmustern aus der Zürcher Webereiwerkstatt der Bauhaus-Textildesignerin Gunta Stölzl an das Museum für Gestaltung in Zürich.
Stichwörter: Litauen, Litauische Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.09.2026 - Design

Die Modebranche schmückt sich zumindest performativ in letzter Zeit immer häufiger mit Literatur, schreibt die Kulturwissenschaftlerin Catharina Rüß in der SZ: Dieser "Literary Chic wird vorrangig durch Bilder auf Social Media vermarktet. Lesen avanciert so zur Performance, mit der sich die Mode einen Glow von Distinguiertheit verleiht. Interessant ist, dass die Marken auf Bekanntes setzen: durchs Feuilleton abgesegnete Werke und Klassiker der Literatur. Damit gehen sie auf Nummer sicher." Aber warum das Ganze? "Erstens adressieren sie eine weibliche, gebildete Kundenschicht. Studien zum Leseverhalten legen nahe, dass Frauen häufiger Belletristik, Männer dagegen öfter Informationsmedien lesen. Zweitens verleihen Romane den Marken eine Exklusivität, die das zeitgenössische Modedesign offenbar nicht mehr in der Lage ist zu vermitteln. ... Dass die Luxusmarken Bücher für sich entdecken, kann zudem als Versuch gewertet werden, akademische Schichten und Old-Money-Eliten als Kunden zurückzugewinnen."
Stichwörter: Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.09.2026 - Design

Die Volkswagen-Krise zeigt sich auch im Design, ja mehr noch - vielleicht ist das Design sogar mit dran schuld, dass der einstige Hersteller egalitärer Automobile wie dem Käfer und dem klassischen Golf heute im Trüben fischt, schreibt Niklas Maak in der FAZ. "Die Designkrise bei Volkswagen spiegelt einen Wertewandel wider: Der unaufgeregte ästhetische Konsens der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, der die Bundesrepublik als zuverlässiges 'Normcore' prägte, ist verloren, die VW-Modelle spiegeln den Wunsch der Kunden nach Sicherheit und Dominanz im Verkehr wieder und danach, etwas Besonderes darzustellen; viele Modelle der Marke schauen wie indignierte Tiefseefische auf die Straße und versuchen, mit barocken Blechhüften, riesigen Kühlermäulern und thriumphalistischer SUV-Aggressionsoptik über ihre technischen Unzulänglichkeiten hinwegzutrösten - und über ihren saftigen Preis. Volkswagen hat das Volk vergessen."
Stichwörter: Volkswagen, Autos, Autodesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2026 - Design

Vase Khora. Bild: Luis Frey.


Florian Siebeck interviewt Laura Ewert für die FAS, die das Designfestival "Currents" mitverantwortet und trotz übler Diagnose für das Designbewusstsein der Deutschen noch Hoffnung hat: "Wir bewegen uns lieber in einem funktionalen Käfig: bloß nicht zu emotional, zu schön, zu verspielt. Vergleichen Sie doch mal die Müllbehälter in deutschen Großstädten mit denen in Paris oder Mailand. Deutschland ist vielleicht nicht gestaltungsfeindlich, aber wir mögen es hässlich. Und doch: Es gibt sie, die Designerinnen und Designer, die clever und experimentierfreudig sind. (…) Daftar, ein Berliner Label, macht Möbel aus Edelstahl und Perserteppichen und erzählt damit etwas über Deutschland als Einwanderungsland. Oder Luis Frey, der eine Vase entworfen hat, die wie ein kleines Tablett aussieht: Darin steht etwas Wasser und ein kleiner Pin, auf den man eine Blume stecken kann. Das ist starkes Design, emotional, poetisch."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2026 - Design

Zelda Biller schaut für die NZZ auf die Hintergründe zur abgesagten Galliano-Ausstellung in New York (mehr dazu bereits hier). Der einst gefeierte Modedesigner verlor bekanntlich 2011 hochdekorierte Posten in der Branche, nachdem er sich wüst rassistisch und antisemitisch geäußert hatte und dann auch noch ein Video auftauchte, in dem er von Hitler schwärmte. Die nun doch nicht stattfindende Ausstellung, die ursprünglich wohl von Mode-Zarin Anna Wintour lanciert wurde, sollte offenbar eine große Rehabilitation einläuten, die sich in den letzten Jahren bereits durch vereinzelte Posten und Pöstchen ankündigte. "Die Geschichte John Gallianos ist ein großes Hin und Her: Mal rastet er aus, mal kriecht er zu Kreuze, mal macht er sich über Juden mit einer Kaftan-Maskerade lustig, dann will er sein Werk in einer großen Schau würdigen lassen - und am Ende wird diese abgesagt, weil es wieder einmal jüdische Kritiker waren, die protestierten. Darin zeigt sich auf exemplarische Weise ein Muster, das das Verhältnis nichtjüdischer Gesellschaften zu Juden generell prägt: Mal werden sie angegriffen, mal bittet man um Vergebung, mal beschäftigt man sich mit ihrer Geschichte, macht Ausstellungen über sie. Dann wendet man sich wieder ab. Und immer bleibt die Frage: Was kommt als Nächstes?" In der taz blickt Hilka Dirks auf die Geschichte.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2026 - Design

Mit viel Pomp hatte das Metropolitan Museum of Art in New York vor einem Monat angekündigt, 2027 eine große Ausstellung John Galliano zu widmen, der 2011 wegen wüster antisemitischer und rassistischer Äußerungen von Dior vor die Tür gesetzt wurde. Die Ausstellung wurde nun nach empörten Reaktionen eher kleinlaut wieder abgesagt. Es sollte nach sich häufenden Rehabilitationsversuchen in den letzten Jahren "offensichtlich die ultimative Reinwaschung" werden, ist Silke Wichert in der FAZ überzeugt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: "Es ist kein Geheimnis, dass Anna Wintour ein großer Unterstützer von Galliano als Designer ist und die Ausstellung sogar gern schon früher umgesetzt hätte. Sie dürfte auch den Deal mit Zara eingefädelt haben, für die John Galliano demnächst entwirft. Umgekehrt wurde erwartet, dass Zara beziehungsweise der Konzern Inditex als einer der Hauptsponsoren bei der nächsten Gala auftreten würde. Es ist erst recht kein Geheimnis, dass New York eine sehr starke jüdische Gemeinde hat, zu der auch viele Unterstützer des Museums zählen. War es schlicht naiv zu glauben, eine Ehrung Gallianos dieser Größe würde einfach so hingenommen? Oder totale Selbstüberschätzung auf Seiten von Anna Wintour, die gern ihren Willen durchsetzt, und ihn normalerweise auch bekommt?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2026 - Design

Als Roland Barthes seinerzeit vom Automobil schwärmte, präsentierten sich die Karrosserien ihm noch in allen Farben des Regenbogens, heute "sind die Kolonnen überwiegend magenbittergrau", seufzt Ronald Pohl im Standard. "Wie kaum zuvor in der Geschichte der Farbgewinnung werden dem Trüb-Grau immer neue Facetten abgewonnen", die "Anbieter werben mit Eigenschaftswörtern wie 'elegant, kraftvoll, klassisch, dominant'. ... Das farbliche Angebot reicht dann von mausig über schiefrig zu staubig, ganz zu schweigen von taubengrau. ... In allgegenwärtigen Grau drückt sich jetzt die geharnischte Absage an jegliche Paradiesvogelhaftigkeit aus. Als würde nicht ohnehin Legionen Gekränkter gegen alle Ressentiments hegen, die knallbunt sind - um dergestalt die Offenheit ihrer Lebenspraxis zu demonstrieren. Natürlich sind nicht alle Benutzer grauer SUVs AfD-Wähler oder anderweitig Bornierte. Aber das erstaunliche Understatement, das in der Graufärbung der Blechlawinen zum Ausdruck kommt, ist ein Kotau vor einer verschwundenen Moderne."
Stichwörter: Auto, Autodesign, Grau, Moderne

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2026 - Design

Aline Bavier, Sophia Becker, "re constructed", 2026. Filmstill. (Museum Angewandte Kunst / Sophia Becker)

Lisa Berins ereilen melancholische Anflüge beim Besuch der Ausstellung "On Display", in der das Frankfurter Museum Angewandte Kunst sich mit grundsätzliche Fragen des Grafikdesigns befasst: "So war das damals, als Menschen noch ihre Welt gestalteten", seufzt Berins in der FR, "bevor die KI auch das übernahm. ... Ungeahnte Ausmaße der Einmischung von KI eruieren Aline Bavier und Sophia Becker passend dazu in ihrer Videoarbeit 're constructed'. Darin lassen sie eigene Kindheitserinnerungen durch generative Bildmodelle in KI-generierte Erzählungen umwandeln. Ob die KI bald eigenständig auch die Gestaltung der menschlichen Lebenswelt fortschreibt? Die Frage sei eher, wann es so weit sei, dass die KI uns überrasche, wann sie eine bisher ungesehene Ästhetik liefere, sagt Kurator Jonas Deuter."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2026 - Design

Ikeas Billy-Regal ist ein schlichter Klassiker aus der Welt des funktionalen und vor allem leistbaren Möbeldesigns. Der österreichische Künstler Heimo Zobernig hat daraus nun Aluminium-Varianten erstellt, die aktuell in der Berliner Galerie Nagel Draxler zu sehen sind. "Die silbrigen Platten mit ihren mesmerisierenden Kanten verwandeln die vertraute Form in ein auratisches Objekt der Minimal Art", schreibt Boris Pofalla in der Welt. "Sie scheinen rätselhafte Botschaften aus Zahlen und Buchstaben zu enthalten, die auf die Innenseiten der Regalwangen gedruckt sind. Tatsächlich sind dies die Materialkennzeichnungen aus der Aluminiumfabrik. Sie verraten uns, dass dieses Objekt mit einer Plattenstärke von 20 Millimetern alles andere als leicht sein dürfte und es sich um eine Aluminiumlegierung mittlerer Festigkeit mit hoher Korrosionsbeständigkeit handelt, die sich sehr gut schweißen und technisch anodisieren lässt. ... Aber eigentlich ist es zu schön, um da etwas hineinzulegen."
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