Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr. Was ist dran am Buch der Bücher? A. J. Jacobs hat sich entschlossen, der Bibel in einem Selbstversuch auf den Grund zu gehen. Ein Jahr lang will er die biblischen Gesetze so getreu wie möglich befolgen. Er lässt sich einen Bart wachsen, begrüßt den Beginn eines neuen Monats mit einer Widderhorn-Fanfare und versucht, im Central Park Ehebrecher mit Kieseln zu steinigen. Seine Frau Julie ist keineswegs begeistert, aber Jacobs lässt sich nicht beirren. Er trifft fundamentalistische Christen, tanzt mit chassidischen Juden und reist nach Israel. Die letzten Monate sind dem Neuen Testament gewidmet. Trotz vieler merkwürdiger Begegnungen und scheinbar absurder Gesetze versteht A.J. Jacobs allmählich, welcher Sinn hinter dem Buch der Bücher steht. Am Ende des biblischen Jahres ist er zwar nicht gläubig, aber auf jeden Fall klüger: Er ist ein toleranterer Mensch geworden, der sich und anderen mehr Respekt entgegenbringt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.09.2008
Johan Schloemann preist A J. Jacobs' Erlebnisbericht über ein Jahr seines Lebens, in dem er versucht hat, sich streng nach sämtlichen Regeln der Bibel zu richten, als echtes Lesevergnügen, das ihn zugleich aber durch seine Toleranz, seine allgemeine "Menschenfreundlichkeit" und seine Unvoreingenommenheit begeistert. Der amerikanische Journalist und Schriftsteller, der offenbar ein Faible für existentielle Projekte hat - davor las er sich durch sämtliche Bände der "Encyclopedia Britannica", eine Erfahrung, die er im Buch "Britannica und ich" festgehalten hat - sei ein "liberaler Großstadt-Agnostiker" jüdischer Herkunft, teilt der Rezensent mit. Vielleicht gelingt es ihm gerade deshalb, so unbefangen und neugierig an sein Projekt heranzugehen, mutmaßt Schloemann, dem besonders gefällt, dass Jacobs das bibeltreue Leben nicht lächerlich zu machen sucht, sondern mit dem "direkten Zugriff des Zweiflers" auch zu bedenken gibt, dass viele Fundamentalisten, die sich auf den Wortlaut der Bibel berufen, sich letztlich auch nur die Regeln herausziehen, die ihnen passen. Denn wirklich alle 700 Regeln der Bibel gleichzeitig einzuhalten ist kaum praktizierbar, ist Schloemann nach der Lektüre klar.
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