Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751830881 Broschiert, 166 Seiten, 14,00
EUR
Klappentext
Traumerzählungen bilden einen entscheidenden Teil unseres Wissens über die Shoah. Für zahlreiche Überlebende sind sie eine Strategie des Weiterlebens: Sie drücken Erfahrungen aus, die auf anderem Wege kaum kommuniziert werden können. Das Erzählen und Teilen von Träumen wird in diesem Essay als eine paradoxe, individuelle wie kollektive Praxis der Reparation verstanden. So wichtig - ja unausweichlich - finanzielle, politische und juristische Reparationsbemühungen auch sein mögen, sie erweisen sich stets als unzureichend. Insofern die entstandenen Zerstörungen und Verletzungen niemals "wiedergutgemacht" werden können, gewinnt die kulturelle Auseinandersetzung mit ihnen an Bedeutung: als fortwährende Bearbeitung irreparabler Erfahrungen. Christiane Solte-Gresser eröffnet ein eindrückliches Spektrum an Träumen von Shoah-Überlebenden, die ihren traumatischen Erfahrungen erzählend Ausdruck verleihen. Zugleich lotet sie das reparative Potenzial des Traums für unser kulturelles Gedächtnis und seinen Beitrag zu gegenwärtigen Erinnerungspolitiken aus.
Wertvoll findet Rezensent Till Schmidt die Traumanalysen von Shoah-Überlebenden, die Christiane Sollte-Gresser in ihrem Essay versammelt. Die Literaturwissenschaftlerin beginnt mit einem theoretischen Vorbau: Das Erzählen von Träumen speziell über Terror- und Gewalterfahrungen biete Überlebenden die Möglichkeit eines Auswegs aus der oft beschriebenen Aporie aus Erzählen-Wollen und Keine-Worte-finden für das erlebte Leid im KZ. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch das Gegenüber, dass das Erzählte aufnimmt und "affektiv bezeugt". Diese Betonung der rezeptiven Ebene findet der Kritiker dann in den folgenden Analysen leider nicht wieder; auch eine Berücksichtigung dessen, was die Träumenden selbst über das Thema denken, fehlt ihm. Dennoch liest er mit Gewinn, wie die Autorin in den Analysen der Träume etwa von Imre Kertész, Elie Wiesel oder Primo Levi gewisse Narrative und Muster herausarbeitet: hervor tritt vor allem die "Sinnlosigkeit" des Lebens im Lager; auch die Erinnerungen an die Stimmen, Gesten oder Blicke der Ermordeten prägen die Erzählungen, ebenso wie die Anklage der Verstorbenen an die Überlebenden. Ein "beeindruckendes" Buch und ein wichtiger Beitrag zum NS-Erinnern, schließt er.
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