Hermann Hesse

"Mein lieber Brüdi!"

Briefwechsel mit seinem jüngsten Sohn Martin
Cover: "Mein lieber Brüdi!"
Suhrkamp Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783518430842
Gebunden, 400 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Gunnar Decker. Unter Mitarbeit von Sibylle Siegenthaler-Hesse, Hanspeter, Martin und Matthias Siegenthaler. Brüdi - so wurde Martin, der jüngste Sohn Hermann Hesses, von der Familie genannt. Als Hermann Hesse im April 1919 seine Familie verließ, um im Tessin auf der Südseite der Alpen ein ungebundenes Leben zu führen, kamen seine drei Söhne zu Pflegefamilien oder ins Heim. Ein Schock vor allem für Martin, gerade sieben Jahre alt. Wie Hesses erste Ehefrau Mia, die wegen einer manisch-depressiven Erkrankung immer wieder in Heilanstalten war, litt Martin unter dieser psychischen Erkrankung, die letztlich wohl auch zu seinem Freitod 1968 führte.Der 1919 beginnende und sich bis zu Hermann Hesses Tod 1962 fortsetzende Briefwechsel ist das eindrucksvolle Dokument einer Annäherung von Vater und Sohn, der Versuch, verlorenes Vertrauen mittels Briefgespräch neu herzustellen.Hier findet Hermann Hesse nach und nach zu seiner anfangs verweigerten Vaterrolle. Immer offener sprechen Vater und Sohn von ihren unerfüllten Hoffnungen und wachsenden Lebenszweifeln. Martin, der künstlerisch begabteste und zugleich labilste der Söhne, der Fotograf wird, gesteht: "Ich bin viel in der Dunkelkammer, mehr als mir lieb ist." Martins Fotos des Vaters, über Jahrzehnte entstanden und zu Ikonen geworden, bezeugen wiedergefundene Nähe.Der Briefwechsel ist nicht nur in biografischer Hinsicht ein Ereignis. Denn im Gespräch beider entsteht zugleich eine Alltagsgeschichte der Schweiz von 1919 bis 1962.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.02.2023

Rezensent Cornelius Wüllenkemper ist ein bisschen enttäuscht. Dass der jüngste, in einem Kinderheim lebende Sohn von Hermann Hesse, an den von seiner Familie getrenntlebenden Vater schreibt: "In Kirchdorf ist es schön", sei in einer sorgfältig sortierten Auswahl des langjährigen Briefwechsels absolut kein Muss, findet Wüllenkemper. Im Ganzen gesehen ist es für ihn aber interessant nachzuvollziehen, wie Hesse an seiner Vaterrolle gearbeitet habe. Sie wurde ihm erleichtert, als der erwachsene Sohn den Beruf des Fotografen wählte und zum Porträtisten seines Vaters wurde. Was die beiden misanthropischen Einzelgänger zu einem Paar machte und wie schwer sie sich mit den viel schwierigeren politischen Zeiten taten, die sie in besten Verhältnissen in der Schweiz verbrachten: Das erstaunt Wüllenkemper denn doch.  

Beliebte Bücher

Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…