Erinnerung, Antisemitismus und der Nahostkonflikt in Deutschland
Droemer Knaur Verlag, München 2026
ISBN
9783426217672 Gebunden, 304 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Seit Jahren nehmen antisemitische Einstellungen zu, während zugleich das Wissen über die NS-Zeit abnimmt. Die Terrorattacken der Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel und der Krieg im Gazastreifen wiederum haben neben Polarisierung vor allem Sprachlosigkeit erzeugt. Der Grund, so Jacob Eder: Deutschland hat es sich lange als "Erinnerungsweltmeister" bequem gemacht und gesellschaftliche Veränderungen ignoriert. Er fordert ein Ende von starren Ritualen in der Erinnerungspolitik und eine Internationalisierung der Debatte. Nur so kann Deutschland seiner historischen Verantwortung auch in Zukunft gerecht werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2026
Rezensent Jörg Später bespricht Jacob Eders Buch über Erinnerungspolitik und Antisemitismus in Deutschland interessiert, auch wenn er inhaltlich nicht mit allem einverstanden ist. Der Historiker Eder zeichnet nach, wie sich die Erinnerungspolitik im Laufe der Zeit gewandelt hatte. Tatsächlich war die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit Deutschlands zunächst eine Sache kritischer Linker, im gesellschaftlichen Mainstream dominierten lange Narrative von Deutschen als Opfern. Dass diese linken Impulse von der Staatsspitze aufgegriffen wurden, in einer Form, die manchen ritualistisch vorkommt, ist ein vergleichsweise junges Phänomen. Eine neue Generation linker Kritik arbeitet sich nun eben an dieser neuen, staatslastigen Erinnerungspolitik ab und insbesondere am Begriff der Staatsräson, den Angela Merkel ins Spiel gebracht und mit der Sicherheit Israels verknüpft hatte. Eder hält nicht viel von der Rede von der Staatsräson und auch Später findet, dass er für eine "empathische" Erinnerungspolitik nicht notwendig ist. Nicht mit geht der Rezensent allerdings, wenn Eder einiges Verständnis für Stimmen aufbringt, die, machtkritisch argumentierend, die aktuelle Erinnerungspolitik ganz allgemein attackieren. Jede Menge "Unfug und Bösartiges" übersieht Eder da, unter anderem von Seiten des australischen Historikers Dirk Moses, findet Später, demzufolge die Rede von der Staatsräson ihr Gegenstück hat in der Verteufelung Israels durch die internationale Linke. Späters ambivalente Besprechung schließt mit einem Satz Ernst Blochs: "Aus beidem muss man heraus".
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