Jeremy Wilson

Lawrence von Arabien

Die Biografie
Cover: Lawrence von Arabien
List Verlag, München 1999
ISBN 9783471791561
gebunden, 720 Seiten, 32,72 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2000

In mancher Hinsicht enttäuscht zeigt sich Harald Biermann von dieser Biographie Wilsons, den er eigentlich für einen der besten - wenn nicht sogar für den besten - Lawrence-Kenner überhaupt hält, und von dem er sich erhofft hatte, dass er dem Mythos um Lawrence in seiner Biografie etwas entgegen setzen würde. Hierin sieht er Wilson jedoch "in tragischer Weise" gescheitert. Zwar unterstützt Wilson keineswegs die Mythenbildung, so Biermann, doch bleibt das Bild, das Wilson von Lawrence zeichnet, in vieler Hinsicht blass und oberflächlich. Wilson hat ausdrücklich erklärt, mit diesem Buch keine "Spekulationen über psychologischen Fragestellungen" zu unternehmen. Dies erwartet der Rezensent auch nicht von dem Autor, allerdings hätte er etwas tiefer schürfende Deutungsversuche durchaus begrüsst. In dieser Hinsicht sei das Buch von John E. Mack sehr viel einfühlsamer. Darüber hinaus vermisst Biermann bisweilen ein näheres Eingehen auf den gesellschaftlichen Kontext der damaligen Zeit, in dem Lawrence als Persönlichkeit auch betrachtet werden sollte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999

Eine ärgerliche Rezension von Regine Welsch, die alles voraussetzt: sowohl Kenntnis über Leben und Werk ("Seven Pillars of Wisdom") des Engländers Thomas E.Lawrence als auch über seine Idealisierung im Film "Lawrence of Arabia" von David Lean. Von solcher Höhe herab kritisiert sie den Verfasser der neuen Biografie und wirft ihm vor, es sei ihm allzu sehr um eine politisch korrekte Version seines Helden gegangen. Vielleicht hat sie Recht, aber ihr eigenes Interesse am schillernden Leben von Lawrence, seinem Abenteurertum und politischem Opportunismus, verquaster Homosexualität (die nicht erwähnt wird) und anspruchsvoller Schriftstellerei, wird kein bisschen deutlich. Am Ende zitiert sie Lawrence, von dem sie bei der Lektüre dieser Biografie "wirklich etwas gelernt" hat, nämlich dass wirkliches Lernen nicht Akkumulation sei, sondern Vergessen: man wünscht sich, sie hätte es selbst beherzigt.

Themengebiete


Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…