Aus dem Ungarischen von György Buda. Eigentlich ist das Leben von Großmutter, Mutter und Tochter ein tristes, geprägt von drückender Armut und Hoffnungslosigkeit. (Der zeitliche Rahmen spannt sich von den Jahren nach dem Krieg bis in die 70-er Jahre in Ungarn.) Und doch gelingt es Krisztina Tóth, auch in den dunklen Szenarien eine gewisse Komik aufblitzen zu lassen und die sogenannten "kleinen Leute" mit ihren Überlebenskämpfen in rührender Liebenswürdigkeit zu schildern: Da ist die absolut schräge Großmutter mit ihren wechselnden Liebhabern in ihrer Souterrain-Wohnung mit dem Aquarium, in dem nur die fittesten Fische überleben, die flatterhafte Mutter, die bei allen Entbehrungen doch immer wieder liebevolle Ziehmutter, da bevölkern geistig behinderte Verwandte, Krankenpfleger, Akrobaten und viele andere "schräge Vögel" das Leben der kleinen Vera. Es sind skurril-liebenswerte Verlierer, die wie in einem Aquarium in ihrer gesellschaftlichen Schicht gefangen sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.11.2015
Eine soghafte Wirkung hat der Roman auf Cathrin Kahlweit entfaltet, laut der Rezensentin biete er eine "unerschöpfliche Quelle von Anekdoten und Dramoletten" aus einer Unterschicht-Familie der Budapester Vorstadt. Die politischen Hintergründe des Nachkriegs-Ungarns interessieren die Autorin dabei gar nicht, so Kahlweit, sie lege ihre "literarische Lupe" vielmehr auf den Alltag in der ärmlichen Einzimmerwohnung und erzähle mit großer Liebe zum Detail von den kleinen Dramen und Freuden. Besonders angetan haben es Kahlweit dabei "die lakonische Sprache, der tiefschwarze Humor, die irren, aber gewöhnlichen Gestalten", die Tóths Roman in ihren Augen bevölkern. Ein Lob hat die Kritikerin auch für die präzise Übersetzung durch György Buda übrig.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2015
Groß findet Andreas Breitenstein Krisztina Tóths ersten Roman, für ihn Zeichen einer neuen, aufregenden Literatur aus dem ehemaligen Ostblock. Autobiografisch erzählt die Autorin laut Breitenstein vom Leben dreier Generationen an Budapests Peripherie, von Elend, Mittellosigkeit und dem Wunsch nach Transzendenz. Dass es Toth gelingt, ohne explizit politisch zu werden vom Leben im totalitären System zu erzählen, den Demütigungen, dem Drill und dem Gehorchen, findet der Rezensent bemerkenswert. Traurig und komisch, schmerzhaft konkret und gnadenlos, Distanziertheit und dann wieder Empathie auslösend scheint ihm der vielschichtige Blick der Autorin auf die Verhältnisse am Rand der Gesellschaft, vor allem aber frei von Ressentiments und Anklage. Für Breitenstein ein seltenes Lesevergnügen.
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