Lewis Grassic Gibbon

Lied vom Abendrot

Cover: Lied vom Abendrot
Guggolz Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783945370155
Gebunden, 398 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Esther Kinsky. Mit Nachworten von Esther Kinsky und Iain Galbraith. Erzählt wird die Geschichte von Chris Guthrie, die unter ihrem strengen Vater leidet. Sie darf das College besuchen, bis die Mutter stirbt und Chris auf den Hof zurückkehren muss. Nach dem plötzlichen Tod auch des Vaters führt Chris jedoch nicht ihr Studium weiter fort, sondern verschreibt sich ganz dem kleinen elterlichen Anwesen am Fuße der rauen Mearns. Ihr Leben bleibt geprägt vom Konflikt zwischen der "englischen Chris" der Bildung und der "Kinraddier Chris" mit ihrer Liebe zur regionalen Sprache und Landschaft. Das belastet auch die junge Ehe mit dem Landarbeiter Ewan, bis der Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Leben der ganzen Gemeinschaft unwiderruflich verändert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2018

Rezensent Hans-Peter Kunisch versteht, warum Lewis Grassic Gibbons "Lied vom Abendrot" in Schottland als moderner Klassiker gilt: Die Geschichte um die Bauerntochter Chris Guthrie, die sich selbst in eine englische und eine schottische Chris gespalten sieht und ihre Umwelt im Ersten Weltkrieg als ebenso geteilt erfährt, spiegelt in seinen Augen die widersprüchlichen Gefühle der heutigen Schotten gegenüber England wider. Darüber hinaus glänzt der Roman laut Kunisch aber vor allem mit seiner poetischen Sprache und einer authentischen Mischung aus Schottisch und Englisch. Seiner Meinung nach hat Übersetzerin Esther Kinsky mit den Einflüssen aus verschiedenen Dialekten, die sie in ihr Hochdeutsch mischt, um den Ton des Originals einzufangen, teilweise "seltsame Kreuzungen" geschaffen, dafür gefällt dem Rezensenten aber umso besser, dass sie die rhythmische Sprache beibehalten hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2018

Sylvia Staude ist allein schon von Lewis Grassic Gibbons Klassiker begeistert, der zwar außerhalb Schottlands so gut wie unbekannt blieb, aber in den Highlands selbst immer wieder zum beliebtesten Roman aller Zeiten gekürt wird. Die tragikomische Geschichte um die emanzipierte Chris, die es trotz aller Klugheit und Tatkraft nicht schafft, aus ihrem heimatlichen Dorf Kinraddie zu entkommen, nennt Staude zwar einen Heimatroman, aber einen, der Heimat in der Sprache verorte. Und da kommt die Übersetzerin ins Spiel: Was Esther Kinsky hier leistet, indem sie das Schottische in ein leicht abgewandeltes, aber "lebenspralles" Plattdeutsch ummodelt, das haut die Rezensentin vom Hocker. Von Wörtern wie "brattsch und dallerig, figelinsch, schmiedlich und staatsch" kann sie gar nicht genug bekommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2018

Rezensentin Anja Hirsch lobt Esther Kinskys frisch und kraftvoll klingende Neuübertragung des ersten Teils von Lewis Grassic Gibbons Epos u.a. wegen der Idee, schottische Umgangssprache ins Plattdeutsche zu übersetzen. Für sie hat das einen "textmotorisierenden" Effekt und berührt ihr "Sprachlustzentrum". Das "Lieblingsbuch der Schotten" 2016 ist für Hirsch viel mehr als eine folkloristische Bauernschmonzette und besticht laut Rezensentin durch starke Bilder, eine wendige Stimme sowie den selbstironischen Umgang mit der Tradition kitschiger englischer Romanliteratur und eine der eigensinnigsten Heldinnen der Literaturwelt.

Beliebte Bücher

Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…