Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406849466 Gebunden, 304 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Altmontal, ein deutsches Dorf in der Schwarzmeerebene. Hier wird Hedwig Krämer 1919 geboren und erlebt, wie ihre Bullerbü-Märchenwelt durch Hungersnöte, Verfolgung und Krieg zur Hölle wird, der sie 1942 entkommt. Michael Riepl erzählt die frühen Jahre seiner Großmutter und blickt dabei immer wieder auf die heutige Ukraine im Krieg. "Vollgefressen hat sich Iwan..." Der Spruch der Großmutter nach einem üppigen Essen steckte voller Erfahrungen: die Herkunft aus der Sowjetunion, grausamer Hunger, Trauer um die verlorene Familie und Heimat. Aber niemand fragte danach. Als sie 75 Jahre alt war, begann sie, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben, die Kindheit in Altmontal, die Jugend bei einem Verwandten im Kaukasus, die Arbeit als junge Hilfsärztin in der Ukraine und die Flucht nach Bayern im Zweiten Weltkrieg. Als ihr Enkel diese Erinnerungen nach ihrem Tod entdeckt, ist er gerade im Aufbruch nach Kiew, um für eine Hilfsorganisation zu arbeiten. Sein humanitäres Engagement überschneidet sich mit einer Erkundung auf den Spuren seiner schwarzmeerdeutschen Vorfahren. Michael Riepl verwebt die Geschichte seiner Großmutter mit seinen eigenen Erfahrungen in der Ukraine und im Kaukasus zu einerErzählung über eine junge Frau, die sich in der größten Not in den Kopf setzt, gegen alle Widerstände Ärztin zu werden.
Rezensent Marc Reichwein stellt einen Trend zu ähnlichen Familiengeschichten fest, wie sie Michael Riepl hier über das Leben der deutschen Minderheit in Russland in vergangenen Zeiten verfasst. Das heißt aber keineswegs, dass dieses "versiert komponierte" Buch übergangen werden sollte, im Gegenteil: Es beruht auf den Aufzeichnungen Hedwig Krämers, der Großmutter des Autors, die 1919 in der Südukraine geboren wurde. Die von Riepl um eigene Recherchen vor Ort ergänzte Darstellung des Lebens Krämers zeichnet ein dichtes Bild einer untergegangen Welt, in der die Leute auf dem Land weite Strecken zu Fuß zurücklegten und mit Vorliebe Wassermelonen anbauten. Eine wichtige Rolle spielt im Buch der stalinistische Terror - Kleinbauern, die sich nicht der Kollektivierung fügen wollten, wurden verfolgt und verschleppt, der Holodomor, die gezielte Aushungerung ganzer Landstriche, hatte in Gegend, in der Krämer lebte, schlimme Folgen. Sie selbst lebte zeitweise in Aserbaidschan, im Zweiten Weltkrieg gelangte sie nach Deutschland, wo sie in der Nachkriegszeit als Landärztin arbeitete. Das alles ist erzählerisch ausgezeichnet aufgearbeitet und ergibt laut Reichwein eine Erzählung über Menschen, die "im Kleinen" ihr Glück suchten und von den Regimen unter denen sie lebten davon abgehalten wurden.
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