Katalog zur Ausstellung "Richard Paulick Leben und Werk" in Dessau (Mai 2006). Kaum ein zweiter Baumeister zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik, Exil und geteiltem Deutschland hat so viel und in so verschiedenen Stilen gebaut wie Richard Paulick. Das Stahlhaus in Dessau (1926), die Kant-Garage in Berlin (1929/30), die Stalinallee und die Staatsoper in Ost-Berlin (1952/55) oder das Landestheater Halle/Saale (1967) sind mit seinem Namen ebenso verbunden wie der Neuaufbau von Hoyerswerda (ab 1957), Schwedt (ab 1962) und Halle-Neustadt (ab 1963). Dennoch ist der Künstler, der am Bauhaus Dessau zu den engen Mitarbeitern von Walter Gropius zählte, über mehrere Jahre hinweg das Stadtplanungsamt in Shanghai leitete und zum wichtigsten Staatsarchitekten Ostdeutschlands avancierte, heute kaum bekannt, da die DDR auch in Architektur und Städtebau die Kollektivierung kreativer Prozesse betrieb. Das Buch begleitet eine Richard Paulick gewidmete Wanderausstellung und vereint die Beiträge eines wissenschaftlichen Kolloquiums, das 2003 erstmals die wichtigsten Lebensstationen und Architekturprojekte Paulicks diskutierte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2006
Nach Einschätzung des Rezensenten Jürgen Tietz hatte der Architekt Richard Paulick eine spannende Wirkungsgeschichte als Bauhaus-Vertreter in der Vorkriegszeit und, nach seiner Zeit im Shanghaier Exil, als staatstragender Architekt in der DDR. Dennoch ist er ziemlich in Vergessenheit geraten. Nach Tietz' Meinung bewegt sich Paulicks Arbeit in einem Spannungsfeld, besonders seine Arbeiten aus der frühen DDR-Zeit dokumentieren den Spagat "zwischen der von ihm gewollten Moderne und der staatlich verordneten Tradition im Sinne Moskaus". Der Sammelband, der sich um seine "überfällige Wiederentdeckung" verdient macht, ist nach Meinung des Rezensenten zwar etwas "überambitioniert" gestaltet, aber trotzdem durch und durch lesenswert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2006
Einen der bedeutendsten und begabtesten Architekten der DDR sieht Rezensentin Regina Mönch in Richard Paulick, der trotz berühmter Bauprojekte wie der Karl-Marx-Allee heute weitgehend vergessen ist. Umso erfreuter begrüßt sie daher vorliegenden Band der Kunsthistoriker Wolfgang Thöner und Peter Müller. Das Werk illustriert für sie recht gut das breite Spektrum von Paulicks Leben und Schaffen. Allerdings überzeugen sie nicht alle Beiträge in gleicher Weise. Ausdrücklich lobt sie die Einführung, die einen ausgezeichneten Überblick über den Stand der Forschung vermittelt. Daneben würdigt sie Peter Müllers Essay zu Paulicks Rolle bei der ersten Schlossplatzdebatte sowie Wolfgang Thöners Bericht über die Bauhaus-Jahre des Architekten. Rundum gelungen findet sie außerdem Jörn Düwels Dokumentation der Stalinallee und Philipp Springers Beitrag über die "dritte sozialistische Stadt" Schwedt. Resümierend hält Mönch fest, dass der Band letztlich aber nur ein "unvollständiges Bild" von Paulicks Architektenleben gibt.
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