Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.11.2000
Albert Kümmel erläutert in einer recht inhaltsreichen Rezension zunächst, dass schon vor dem Ersten Weltkrieg eine Debatte über die vermeintlich schädlichen Einflüsse des Kinos eingesetzt hat, die allerdings wenig gemein hat mit der heutigen Vorstellung von der Brutalisierung der Zuschauer durch Horrorfilme. Vielmehr wurde Anfang des Jahrhunderts befürchtet, dass die Zuschauer im quasi hypnotisierten Zustand zu Verbrechen getrieben werden. Welche Folgen diese Debatte nicht nur für Literatur, sondern auch in rechtlicher Hinsicht hatte (Beispiel: Körperschaften, bei denen kein Individuum handelt, sondern eine fiktive und deshalb nicht strafbare Partei), wird nach Kümmel in diesem Buch deutlich. Ähnliches wie für die Körperschaften gilt - so Kümmel - für Filme wie etwa Fritz Langs Dr. Mabuse (1922), in denen Mabuse sich als "polymorphe kriminelle Körperschaft" zeigt. Die Leistung des Autors besteht nach Kümmel vor allem darin, "auf vordergründige Kausalbeziehungen" zu verzichten und stattdessen "literarische, medizinische und juristische Texte" in Beziehung zu setzen, was nach Kümmel einen ungeheuren synergetischen Effekt bewirkt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Stefan Andriopoulos untersucht das Phänomen der Hypnose und der mit ihm beschäftigten Diskurse am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts. Methodisch ist er, so der Rezensent Reinhard J. Brembeck, dem New Historicism verpflichtet, stilistisch leider dem Genre der Dissertation ("leicht professoral umständlich"). "Jura, Medizin, Kino, Dramen- und Romanproduktion" kommen in den Blick, gelesen werden die Texte allesamt, so Brembeck, "als Literatur". Problematisch sei vor allem das Verharren des Buches in der immanenten Interpretation. Bezüge zur Gegenwart, bemängelt Brembeck, werden nicht hergestellt.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…