Aus dem Portugiesischen von Mara-lde Meyer-Minnemann. Anfang 1934 wird Rose Frankfurter ins Polizeipräsidium am Alexanderplatz in Berlin vorgeladen und wegen eines abgefangenen hitlerkritischen Briefes stundenlang verhört. In fünf Tagen werde man ihr die Entscheidung über ihr weiteres Schicksal mitteilen. Mit dieser eindrucksvollen Szene endet der autobiografisch grundierte Roman "Die Welt in der ich lebte". Die junge Ilse Lieblich selbst entscheidet sich zur Flucht. In Portugal schreibt sie 1949 auf Portugiesisch mit "Die Welt in der ich lebte" ihren ersten Roman, auf der Folie ihrer Erinnerungen an das kleine Dorf, an das Aufwachsen bei den Großeltern, an die Schulzeit und die heimische Landschaft und die Menschen dort, aber auch an wachsende Erfahrungen von Ausgrenzung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.08.2026
So "leise erzählt wie emotional aufwühlend" findet Rezensent Marko Martin diesen autobiographisch grundierten Roman der jüdischen Schriftstellerin Ilse Losa, geborene Lieblich, die 1934 aus Nazideutschland floh. Diesen Lebensweg teilt sie mit ihrer Protagonistin Rose Frankfurter, die im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg anhand "haarnadelfeiner Risse" das langsame Auseinanderbrechen ihrer Realität wahrnimmt. Zunächst sind es nur kleine Bemerkungen, die für das Kind noch kaum verständlich sind. Später versucht sie ihr Glück in Berlin, lesen wir, wird jedoch aufgrund eines Briefs, in dem sie Hitler kritisiert, festgenommen und von der Gestapo verhört. Sie hat Glück und hat nach ihrer Entlassung genug Zeit, um nach Portugal zu fliehen. Martin findet es aufgrund der Nähe von Autorin und Heldin befremdlich, dass der Verlag hier kein biografisches Nachwort angefügt hat. In Portugal ist das 1949 auf Portugiesisch erschienene Buch jedenfalls Schullektüre und Ilse Losa ist dort eine populäre Autorin geworden, erklärt Martin, der die Lektüre nachdrücklich empfiehlt.
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