Efeu - Die Kulturrundschau
Wurde schon die Pauke erwähnt?
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25.08.2026. Die taz vernimmt in einer Bochumer Ausstellung der Neofluxus-Künstler Ei Arakawa-Nash und Yuko Mohri das "beharrlich-fordernde Trommeln der Katastrophe". Die Kunsthistorikerin Julia Voss erklärt bei Zeit Online mit Blick auf die deutsche Geschichte, warum Berlin bisher noch keine Porträtgalerie hat. Die SZ fliegt mit den Livealben des Jazzsaxofonisten Immanuel Wilkins in die harmonischen Tiefebenen der Ekstase. Die FAZ untersucht Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
25.08.2026
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Kunst

Einem "zarten, aber beharrlich-fordernden Trommeln der Katastrophe" lauscht taz-Kritiker Benno Schirrmeister in der Ausstellung "How We Meet" im Kunstmuseum Bochum. Die beiden japanischen Neofluxus-KünstlerInnen Ei Arakawa-Nash und Yuko Mohri dokumentieren mit ihren Werken den "Verfall der Welt", erklärt der Kritiker, so beispielweise in Yuko Mohris Langzeitprojekt "Moré Moré", was auf Deutsch "undicht" bedeutet: "Seit 2011 dokumentiert die Tokyoter Künstlerin fotografisch die einfallsreichen Konstruktionen, mit denen die U-Bahn-Arbeiter das an zahllosen Stellen in die Metroschächte der größten Stadt der Welt eindringende Wasser auffangen. Diese aus Gummistiefeln, alten Schirmen, Zinkgießkannen, Eimern und Flatterband geschaffenen genialen Interimsplastiken bastelt sie nach, auch in Venedig waren solche Installationen 2024 zu erleben. Hier allerdings stehen sie nicht auf dem dunkel strukturierten Marmorboden des japanischen Pavillons, sondern in einem weißen langen Saal. Und das ist von Vorteil: Wie ein dürrer Wald aus toten Bäumen ragen die Gebilde auf, an denen wie Lianen Gummischläuche hängen: Mit Pumpen hat Mohri das Wasser in einen Kreislauf überführt und dafür gesorgt, dass seine Bewegung Bongos, Becken, Snaredrums oder anderes Schlagwerk in Schwingung versetzt."
Die Kunsthistorikerin Julia Voss hat an der Ausstellung "Porträts der deutschen Geschichte" im Deutschen Historischen Museum mitgewirkt, entsprechend wohlwollend steht sie Wolfram Weimers Vorschlag einer nationalen Porträtgalerie nach britischen Vorbild (unsere Resümees) gegenüber. Auf Zeit Online geht sie aber auch nochmal auf die Gründe ein, warum man sich speziell in Deutschland bisher schwer tat mit einem solchen Unterfangen. Die Nazis waren geradezu besessen von Porträts: "Eine Flut von Gemälden und Fotografien zeigte Amts- und Funktionsträger von Partei und Staat, vom Hitlerjungen und SA-Mann bis zum NS-Führungspersonal. (...) Als nach 1945 im Auftrag des US-amerikanischen Kriegsministeriums in Deutschland Tausende Kunstwerke der NS-Zeit konfisziert wurden, waren darunter auch viele NS-Porträts. Die bald 'German War Art Collection' genannte Sammlung wurde nach Washington gebracht. Die Verantwortlichen dort zogen einen interessanten Schluss: Von den umfänglichen Rückgaben nach Deutschland, die bis in die Achtzigerjahre erfolgten, wurden die Porträts der NS-Eliten ausgenommen. Offensichtlich trauten die Amerikaner den Bildern weiter zu, Schaden anzurichten."
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Franz Karl Bühler. Zeichnungen aus der Sammlung Prinzhorn" im Museum Pfalzgalerie (FAZ).
Film
Musik
Absolut umgehauen ist SZ-Kritiker Andrian Kreye von den gleich drei Livealben, mit denen das Quartet rund um den Jazzsaxofonisten Immanuel Wilkins seine Auftritte im legendären Village Vanguard in New York dokumentiert. "Wilkins beschwört all die Größen, die hier vor ihm teils legendäre Platten aufgenommen haben. Bill Evans eben, John Coltrane und Albert Ayler. ... Er erzeugt, egal ob im Leisen oder im Eruptiven, eine Intensität, die auf diesen drei Alben noch stärker zu spüren ist als auf seinen ersten drei." Einen Höhepunkt bildet Wilkins' Aufgriff von Alice Coltranes Chant "Charanam", aus dem er "ein modales Stück macht, das in der Phrasierung sicher nicht zufällig an 'A Love Supreme' von John Coltrane erinnert. Fast zwanzig Minuten lang fliegen Wilkins und seine kongeniale Rhythmusgruppe über die Ostinati und harmonischen Tiefebenen in ebenjene Trance der Ekstase."
Vergleichbar umgehauen berichtet Standard-Kritikerin Heidemarie Klabacher von Kiril Petrenkos dirigiertem Konzert der Berliner Philharmoniker, das die Salzburger Festspiele abschloss. Schon der Elgar-Teil des Abend war die Wucht - "Allein die Pauke!" -, doch das Highlight nicht nur in diesem Programm, sondern gleich des ganzen "Festspielsommers" war im Anschluss Tschaikowskis Vierte: "Bei Petrenko gibt es keinen Weichspüler. Eher den Kantenschleifer. Die gesamte Interpretation eine einzige Achterbahnfahrt auf engsten Kurven - mit überraschenden Halten und Ausblicken in friedlichste Gefielde und Abstürzen in tiefste Schründe. Die Bläser der 'Berliner', etwas scharfkantiger als die der 'Wiener', überwältigten im zartesten wie im machtvollsten Sound. Das Scherzo mit dem Streicher-Pizzikato - keine Polka aber fast. Wurde schon die Pauke erwähnt? Grandios!"
Weiteres: Christian Wildhagen durchmisst in der NZZ die Dynamik diverser Konzerte beim Lucerne Festival: Bei der Aufführung von Wolfgang Rihms "Tutuguri" gab es bislang ungekannnte, aber "ebenso extreme wie faszinierende" Exzesse in Sachen Lautstärke, alldieweil die aufgeführten Kompositionen von Mark Andre "die Welt der Stille und des Ultraleisen" erkunden. Lilly Schröder stimmt in der taz auf das Berliner Festival Pop-Kultur ein, das gestern Abend in Berlin begonnen hat. Ljubiša Tošić berichtet im Standard weiter vom Jazzfestival Saalfelden.
Besprochen werden neue Musikveröffentlichungen, darunter eine Schumann-Aufnahme von Markus Hinterhäuser und Matthias Goerne (dessen "Bariton bezirzt mit gewohnt butterweichem Legato", während "Hinterhäuser die Emotionswechsel dieser Musik am Klavier suggestiv und geschmeidig mitvollzieht", schreibt Christoph Irrgeher im Standard).
Vergleichbar umgehauen berichtet Standard-Kritikerin Heidemarie Klabacher von Kiril Petrenkos dirigiertem Konzert der Berliner Philharmoniker, das die Salzburger Festspiele abschloss. Schon der Elgar-Teil des Abend war die Wucht - "Allein die Pauke!" -, doch das Highlight nicht nur in diesem Programm, sondern gleich des ganzen "Festspielsommers" war im Anschluss Tschaikowskis Vierte: "Bei Petrenko gibt es keinen Weichspüler. Eher den Kantenschleifer. Die gesamte Interpretation eine einzige Achterbahnfahrt auf engsten Kurven - mit überraschenden Halten und Ausblicken in friedlichste Gefielde und Abstürzen in tiefste Schründe. Die Bläser der 'Berliner', etwas scharfkantiger als die der 'Wiener', überwältigten im zartesten wie im machtvollsten Sound. Das Scherzo mit dem Streicher-Pizzikato - keine Polka aber fast. Wurde schon die Pauke erwähnt? Grandios!"
Weiteres: Christian Wildhagen durchmisst in der NZZ die Dynamik diverser Konzerte beim Lucerne Festival: Bei der Aufführung von Wolfgang Rihms "Tutuguri" gab es bislang ungekannnte, aber "ebenso extreme wie faszinierende" Exzesse in Sachen Lautstärke, alldieweil die aufgeführten Kompositionen von Mark Andre "die Welt der Stille und des Ultraleisen" erkunden. Lilly Schröder stimmt in der taz auf das Berliner Festival Pop-Kultur ein, das gestern Abend in Berlin begonnen hat. Ljubiša Tošić berichtet im Standard weiter vom Jazzfestival Saalfelden.
Besprochen werden neue Musikveröffentlichungen, darunter eine Schumann-Aufnahme von Markus Hinterhäuser und Matthias Goerne (dessen "Bariton bezirzt mit gewohnt butterweichem Legato", während "Hinterhäuser die Emotionswechsel dieser Musik am Klavier suggestiv und geschmeidig mitvollzieht", schreibt Christoph Irrgeher im Standard).
Literatur
Im Tagesspiegel sprechen Gerrit Bartels und Moritz Honert mit Sophie Rois unter anderem über Ingeborg Bachmann, aus deren Erzählung "Probleme, Probleme" die Schauspielerin am kommenden Samstag beim Kalit-Festival lesen wird. "Die Geschichte kommt so leicht und flauschig daher. Es geht um Beatrix, eine junge Frau im Wien der Sechzigerjahre. Sie hat kein Interesse an Selbstverwirklichung und keines an Sex. ... In einer anspruchsvollen deutschen Fernsehproduktion wäre das natürlich die Geschichte einer depressiven jungen Frau. Der widmet man sich dann mit empathischer Herablassung, und empfiehlt erst mal eine Therapie. Während Ingeborg Bachmann mit ihrer unendlichen künstlerischen Intelligenz, Begabung und Hellsichtigkeit das Porträt dieser Frau erzählt als radikale Verweigerung gegenüber der unerträglichen Realität. Als eine legitime philosophische Haltung."
Janka Zündorf begibt sich für die FAZ in Selbstaussagen und überlieferten Artefakten auf Spurensuche nach Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur, das sich in einer zerstreuten Neigung zu "Hundezeitschriften, Trickfilme, Krimis, dann und wann Boulevardstoffe" zeigte. All dies "kam seinem Blick für das Komische entgegen, amüsierte und unterhielt ihn. Gewiss besaß sie auch kompensatorische Dimension, zumal in der Exilzeit. ... Humorvolle Anteilnahme war es, die ihn in die Kinos trieb, hinter Fotowände und manchmal gar vor die Illustrierte. Die ihn freundlich auf seinen Enkel Frido blicken ließ, als dieser im Cowboy-Kostüm Spaziergänge mit ihm machte, 'unersättlich' über die Superman-Show redete und 'Sehnsucht nach dem Trikot-Kostüm' verlautbaren ließ."
Weiteres: Im Tagesspiegel schreibt Lars von Törne zum 80. Geburtstag des Comicautors Jacques Tardi. Besprochen werden unter anderem Kobai Halstenbergs "Wie Treibholz auf Asphalt" (taz), Sayan Kouhzads "Wenn ich nicht im Iran geboren worden wäre" (taz), Asma Mhallas Sachbuch "Cyberpunk. Das neue totalitäre System" (Standard), Samuel Becketts "German Diaries" (FAZ), Yael Inokais "Die Auster" (NZZ) und Özge İnans "Die Dichterin" (SZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Janka Zündorf begibt sich für die FAZ in Selbstaussagen und überlieferten Artefakten auf Spurensuche nach Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur, das sich in einer zerstreuten Neigung zu "Hundezeitschriften, Trickfilme, Krimis, dann und wann Boulevardstoffe" zeigte. All dies "kam seinem Blick für das Komische entgegen, amüsierte und unterhielt ihn. Gewiss besaß sie auch kompensatorische Dimension, zumal in der Exilzeit. ... Humorvolle Anteilnahme war es, die ihn in die Kinos trieb, hinter Fotowände und manchmal gar vor die Illustrierte. Die ihn freundlich auf seinen Enkel Frido blicken ließ, als dieser im Cowboy-Kostüm Spaziergänge mit ihm machte, 'unersättlich' über die Superman-Show redete und 'Sehnsucht nach dem Trikot-Kostüm' verlautbaren ließ."
Weiteres: Im Tagesspiegel schreibt Lars von Törne zum 80. Geburtstag des Comicautors Jacques Tardi. Besprochen werden unter anderem Kobai Halstenbergs "Wie Treibholz auf Asphalt" (taz), Sayan Kouhzads "Wenn ich nicht im Iran geboren worden wäre" (taz), Asma Mhallas Sachbuch "Cyberpunk. Das neue totalitäre System" (Standard), Samuel Becketts "German Diaries" (FAZ), Yael Inokais "Die Auster" (NZZ) und Özge İnans "Die Dichterin" (SZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bühne
Egbert Tholl freut sich in der SZ, dass die Salzburger Festspiele ihr Archiv mit der Ausstellung "The living archive" per VR-Brille für Besucher zum Leben erwecken. In der NZZ kann Bernd Noack wirklich gar nichts Positives in Matthias Lilienthals Berliner "Volksbad" (unsere Resümees) sehen. Besprochen werden Anne De Keersmaeker Tanzabend "Rosas danst Rosas" beim Zürcher Theaterspektakel (NZZ) und der von Kevin Puts komponierte Liederabend "Emily - No Prisoner Be" nach Gedichten von Emily Dickinson bei der Ruhrtriennale (FAZ).
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