Im Kino
Armageddon ist eine Nummernrevue
Die Filmkolumne. Von Karsten Munt
17.09.2026. Kompetente Gegenwehr sucht man vergebens, wenn in Zach Creggers "Resident Evil" eine Zombiearmee Raccoon City überrollt. Der Film, der nur sehr lose auf der gleichnamigen Videospielreihe basiert, schaut mit einigem Sinn für Humor dem stümperhaften Rest der Menschheit beim Überlebenskampf zu.
"Resident Evil" ist ein seltsamer Titel. Zur 1996 gestarteten Videospiel-Reihe passt er nur bedingt. Erdacht wurde er für die US-Version des ersten Spiels, weil der japanische Titel "Biohazard" Copyright-Bedenken zum Opfer fiel. Seitdem hat sich die krude Formulierung vom "ansässigen Bösen" zum ikonischen Synonym für den Survival-Horror gemausert.
Zach Creggers "Resident Evil" hat damit, sprich, mit dem, was die Videospiel-Welt seit 30 Jahren unter "Resident Evil" versteht, mit dem Horror, der im haunted house begann, um direkt danach die Zombie-Apokalypse als Action/Horror-Hybrid im Triple-A-Format auszukleiden, absolut gar nichts am Hut. Wo Digital-Auteur Paul W.S. Anderson noch gleichermaßen die B-Movie-Wurzeln und den Mythos des über 30 Spiele zählenden Franchises für seine sieben Kinofilme aufgriff, ist in der jüngsten Neuauflage nur noch ein seltsamer Titel geblieben.
Bevor der auf der Leinwand erscheint, hat Horror-Filmemacher Cregger seinem Film das Pathos der 30 Jahre währenden Franchise-Geschichte längst ausgetrieben. Geblieben sind neben dem Titel, der fiktiven Stadt "Raccoon City" und dem dort ansässigen Pharma-Konzern "Umbrella Corporation" nur ein paar Easter Eggs. Abwesend sind sämtlich Protagonist:innen der Videospiel- und Filmreihen und die Idee einer aufrichtigen Gegenwehr, die sie verkörpern. Creggers Neuauflage spielt die Zombie-Apokalypse nicht an der Seite von Supercops wie Chris Redfield und Jill Valentine oder gar an der von Paul W.S. Anderson erdachten Alice durch.

An ihrer Statt gibt es Bryan (Austin Abrams). Bryan ist Medizin-Kurierfahrer, kann kein Blut sehen und bringt im Gegensatz zum Stammpersonal der Videospiele so gar keine für die Apokalypse relevanten Fähigkeiten mit. Bryan ist der Typ, der im Brandfall den Aufzug benutzt; der Typ, der sich für tough hält, weil er "Call of Duty" spielt; der Typ, der ohne Schneeketten über vereiste Landstraßen Organtransporte fährt und der Typ, der währenddessen mit seiner schwangeren Freundin telefoniert und sich mit einem lax dahingesagten "your body your choice" aus der eigenen Vaterrolle zu winden versucht.
Und ja, Bryan ist der Typ, mit dem wir gemeinsam eine mit apokalyptischer Geschwindigkeit anrollende Zombie-Pandemie durchstehen müssen. Die beginnt noch auf den vereisten Straßen vor Raccoon City. Hier überrollt Bryan die erste Infizierte, die plötzlich aus dem Wald auftaucht. Es ist das erste einer Reihe von Setpieces entlang derer Cregger den Weltuntergang in all seiner lächerlichen Grausamkeit aufzieht. Bryan klammert sich derweil noch an den Status Quo, liest die infizierte Frau im Wald auf, setzt sie auf den Beifahrersitz und übergibt sie anschließend dem Polizisten, der ihn kurz darauf anhält.
Ein paar hundert Meter später liegt der Streifenwagen auf dem Dach, die Infizierte jagt Bryan in Zirkeln um das Wrack und der Motorblock seines eigenen Autos fängt die Kugeln, die er auf sie abzufeuern versucht. Irgendwie entkommt er, stolpert in das nächste Setpiece, findet die nächste Waffe, trifft die nächste vom "T-Virus" erschaffene Monstrosität und kommt das nächste Mal, trotz (oder wegen?) der eigenen Stümperei, mit dem Leben davon. Armageddon ist eine Nummernrevue. Eine angenehm schlanke, kurzweilige und entlang des stets gleichen Grundmusters mühelos dynamisch ausgerollte Nummernrevue. In Raccoon City nimmt die Sache noch einmal Fahrt auf. Die Körper der Infizierten kleben sich zu einer rollenden Super-Entität zusammen, spucken Zombie-Ratten aus oder schmeißen sich von den Dächern der Stadt.
Kompetente Gegenwehr sucht man weiter Vergebens. Pauline (Kali Reis) die einzige Frau, die, zum sichtbaren Erstaunen von Bryan und Umbrella-Labormitarbeiter Carl (Paul Walter Hauser), die Sache mit der Selbstverteidigung wirklich drauf hat, lässt die beiden im Auto zurück, um den letzten Überlebenden zu helfen und sich in der Folge aus dem Film zu verabschieden. Zurück bleiben die man childs. Überforderung ist der Modus, in dem die Ausweitung des T-Virus eben nicht verhindert wird. Der Film formuliert das mit schonungslosem Humor, während er noch schonungsloser die Fähigkeiten des Virus demonstriert, menschliche und nicht-menschliche Körper zu öffnen, zu verschlingen, miteinander zu verknoten und auf immer neue Weise zu verflüssigen.
"Resident Evil" ist weniger ein Franchise-Neustart, als vielmehr die Fortsetzung eines Zeitgeist-Entwurfs, der schon in Creggers Vorgängerfilm "Weapons" eher nihilistisches Trolling als sauber formulierte Gesellschaftskritik war. In Raccoon City greift das Trolling mit groteskem Humor um sich, der keinen Raum lässt für apokalyptisches Pathos und den 30 Jahre alten B-Movie-Mythos von Umbrella und Co. Das Pharma-Großunternehmen taugt nicht einmal mehr als wirkliches Feindbild, ist nur noch das Dach, unter dem der stümperhaften Rest an Menschheit zusammenkommt, um unabsichtlich das Ende der Zivilisation einzuleiten und in Folge nicht den Mumm aufzubringen, das Schlimmste doch noch abzuwenden.
Karsten Munt
Resident Evil - USA 2026 - Regie: Zach Cregger - Darsteller: Austin Abrams, Zach Cherry, Kali Reis, Paul Walter Hauser - Laufzeit: 95 Minuten.
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